Gaul, August

* 22.10.1869 Großauheim/Hanau
+ 18.10.1921 Berlin

Der Bildhauer August Gaul besuchte nach 1882 stundenweise den Unterricht an der Königlichen Zeichenschule in Hanau und vor allem die Ziselierklasse unter August Ofterdinger. Die Schule wurde  ab 1886 von dem Berliner Bildhauer Max Wiese (1846-1925) geleitet. 1884-88 studierte Gaul an der Zeichenakademie als Tagesschüler und wurde bei internen Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet. 1888 zog er nach Berlin und wurde Student an der Kunstgewerbeschule Berlin und an der Hochschule für Bildende Kunst Berlin. 1889-93 arbeitete er im Atelier des Bildhauers Alexander Calantrelli. Gaul gewinnt 1897 den Wettbewerb der Preußischen Akademie der Künste und tritt 1898 die damit verbundene Italienfahrt zu Studienzwecken 1898 an. Dort lernt er den Bildhauer Louis Tuaillon (1862-1919)  kennen, der in Berlin Schüler von Reinhold Begas gewesen war. Damit kommt Gaul in Berührung mit einer Spielart des Neoklassizismus, den Adolf Hildebrand und Louis Tuaillon in Italien entwickelt hatten. Nach sieben Monaten kehrt Gaul nach Berlin zurück und nimmt 1899 an der ersten Ausstellung der Berliner Secession als Mitglied teil. Er wird zu den Weltausstellungen 1900 in Paris, 1904 in St. Louis und 1910 in Brüssel eingeladen. 1909-11 nimmt Gaul Toni Stadler als Schüler in sein Atelier auf. Gauls Werk umfasst zahlreiche Tierplastiken. Darunter: "Löwin" (1899-1901) erworben von dem Sammler Eduard Arnhold; zwei weitere Löwenfiguren (1902-04): "Stehender Löwe" und "Ruhender Löwe" Auftragsarbeit für den Zeitungsverleger Rudolf Mosse; "Hirschbrunnen" (1912) neben dem Rathaus Schöneberg; "Schwanenkükenbrunnen", er steht heute auf dem Kurfürstendamm/Ecke Leibnitzstraße; "Kämpfende Wisente" (1913) Königsberg; "Liegende Wisente" (1911) vor der Kieler Kunsthalle; Gaul gilt als ein Wegbereiter moderner Formgebung in der deutschen Skulptur des 20. Jahrhunderts. Arbeiten in Frankfurt: "Entenbrunnen" (1924) Richard-Weidlich-Platz, Sindlingen, "Eselreiter" (1912), Städelgarten am Städelmuseum, Schaumainkai, Sachsenhausen; "Pinguine" (um 1912) Zoologischer Garten, Ostend.