Schopenhauer-Denkmal

  
Objekt: Schopenhauer-Denkmal
Standort: Obermain-Anlage
Stadtteil: Innenstadt
Künstler: Schierholz, Friedrich
Material: Bronze und Basalt
Entstehung: 1895
Aufstellung: Am 5. Juni 1895 zu Schopenhauers Todestag aufgestellt. Nach einem Diebstahl zweite Aufstellung am 21. September 1952.
In der Nähe des Rechneigrabenweihers in der Obermain-Anlage, steht auf einem schlichten Basaltsockel die Bronzebüste des Wahl-Frankfurters Arthur Schopenhauer. Bereits 1883 war zu diesem Denkmal aufgerufen worden, fünf Jahre vor dem 100. Geburtstag des Philosophen. Aber erst 1895 konnte es enthüllt werden. Freiwillige Beiträge aus der Bürgerschaft sorgten für die Finanzierung als es darum ging, den Philosophen an einem öffentlichen Ort zu ehren.

Das Modell für das Schopenhauer-Denkmal lieferte Friedrich Schierholz, dessen Vorlage die bis heute existierende, berühmte Nürnberger Kunstgießerei Lenz in Bronze goss. Die lebensgroße Büste stand lange Zeit im Treppenhaus der Frankfurter Stadtbibliothek, vor dem Eingang zum damaligen Schopenhauer-Archiv. Sie wurde 1944 mit der Bibliothek zerstört. Kaum bekannt ist, dass Schierholz in den Jahren 1892/93 auch eine überlebensgroße, 2,60 m hohe Statue Schopenhauers geschaffen hat. Es handelt sich um eine Steinfigur, die 1893 auf dem Dachrand des westlichen Hügels der Stadtbibliothek aufgestellt wurde.

Die auffällige Schlichtheit des Sockels entspricht jedoch keineswegs den ästhetischen Vorstellungen der Gründerzeit. In der Tat sah das Denkmal zur Zeit seiner Enthüllung ganz anders aus: Über einigen Stufen erhob sich ein Sockel, auf dem eine metallene Sphinx und Figuren zu sehen waren, die das "Rätsel des Menschen" symbolisieren sollten. Ein Kritiker der damaligen Zeit schrieb: "Leider ist dieses Denkmal über alle Begriffe geschmacklos; das Postament gleicht einem eisernen Ofen und ist viel zu hoch."

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Sockel demontiert, allerdings nicht aus ästhetischen Gründen. Die "Reichsstelle für Metalle" sorgte dafür, dass die Verzierungen am Postament, wenig später auch die Büste und das Basrelief entfernt wurden. Eine Eingabe des Bundes der Altstadtfreunde und der Schopenhauer-Gesellschaft konnte die Einschmelzung der Büste zu kriegswichtigen Zwecken zum Glück verhindern. Sie kam zurück, wurde allerdings 1951 von nicht-staatlichen Metalldieben gestohlen und erst Wochen später leicht beschädigt in einem Trümmerkeller wieder aufgefunden. 1952, am 21.9. (Schopenhauers Todestag), konnte das Denkmal, mit restaurierter Büste und auf dem schlichten Steinsockel, nicht weit von seinem früheren Standort entfernt, erneut enthüllt werden. (1)
 
Schopenhauer lebte von 1831 bis zu seinem Tod 1860 in Frankfurt am Main. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Hauptfriedhof.
 
"Als Arthur Schopenhauer im Sommer 1831 vor der Cholera aus Berlin floh, zog er bewusst nach Frankfurt, das als "cholerafest" galt. Wegen eines alten, wieder ausgebrochenen Leidens hielt er sich in der Mainstadt allerdings zumeist im Bett auf. Nach knapp einem Jahr übersiedelte er nach Mannheim, wo er sich schon einmal von ähnlichen gesundheitlichen Problemen erholt hatte. Nach seiner Genesung wog er dann die Vor- und Nachteile beider Städte sorgsam gegeneinander ab, in einer Aufstellung, die er in englischer Sprache auf dem Deckel eines Rechnungsbuchs notierte. Zu Frankfurts Vorzügen zählte er: "Gesundes Klima. Schöne Gegend. Annehmlichkeiten großer Städte. Abwechslung großer Städte. Besseres Lesezimmer. Das Naturhistorische Museum. Besseres Schauspiel, Oper und Concerte. Mehr Engländer. Bessere Kaffeehäuser. Kein schlechtes Wasser. Die Senckenbergische Bibliothek. Keine Überschwemmungen. Weniger beobachtet. Die Freundlichkeit des Platzes und seiner ganzen Umgebung. Ein geschickter Zahnarzt und weniger schlechte Ärzte. Keine so unerträgliche Hitze im Sommer. Das Physikalische Kabinet." " (2)  
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(1) zitiert nach Thomas Regehly, Auf den Spuren Schopenhauers in Frankfurt, Schopenhauer-Gesellschaft, Frankfurt
(2) Sabine Hock, 17.09.2010, www.frankfurt.de