Mahnmal Lager-Zeilsheim

  
Objekt: Mahnmal Lager-Zeilsheim
Standort: Bechtenwaldpark
Stadtteil: Zeilsheim
Künstler: Schmidt, Willi
Material: Bronzetafel, Granitblock
Entstehung: 1988
Aufstellung: Eingeweiht am 14.9.1988
Im Bechtenwaldpark in Zeilsheim steht hinter der Stadthalle seit dem 14.9.1988 das "Mahnmal Lager-Zeilsheim" des Bildhauers Willi Schmidt. Das Lager erstreckte sich auf dem Gelände, wo heute das Mahnmal steht. Das Zufahrtstor zum "DP-Lager" befand sich im Hahnbergweg. Auf einem Granitblock montierte Willi Schmidt eine 1,90 x 0,80 Meter große Bronzetafel. Sie trägt das Stadtwappen und folgende Inschrift:
AUF DIESEM GELÄNDE
BEFAND SICH
VON 1942 ? 1948
DAS LAGER ZEILSHEIM.
DARIN WURDEN
WÄHREND DER
NATIONALSOZIALISTISCHEN
DIKTATUR AUSLÄNDISCHE
VERSCHLEPPTE
ZWANGSARBEITER
FESTGEHALTEN.
NACH KRIEGSENDE DIENTE
DAS LAGER ALS
DURCHGANGSSTELLE
FÜR FLÜCHTLINGE,
DISPLACED PERSONS,
UND ALS UNTERKUNFT
FÜR DEUTSCHE
KRIEGSGEFANGENE.
IM LAGER ZEILSHEIM
WARTETEN BIS ZU 5 000
EHEMALIGE JÜDISCHE
KZ-HÄFTLINGE UND VERSCHLEPPTE JUDEN
AUF IHRE
REPATRIIERUNG ODER
AUSWANDERUNG.
Während des Krieges waren die Insassen des Lagers ausländische und verschleppte Zwangsarbeiter, die von der IG-Farben Höchst als Arbeiter in ihrem Werk zwangsverpflichtet wurden. "Displaced Persons" oder kurz DPs nannten die Vereinten Nationen die Flüchtlinge, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Konzentrationslagern befreit worden waren und nach Zeilsheim kamen. Es waren vorwiegend Juden aus Osteuropa. Das "DP-Lager" befand sich im früheren "Steinbaracken-Lager". Auf dem Gelände der heutigen Märchensiedlung im "Holzbaracken-Lager" waren deutsche Kriegsgefangene untergebracht. Das amerikanische Militär ließ im Oktober 1945 in den angrenzenden Straßen 127 private Wohnhäuser räumen, um zeitweise 5.000 DPs unterzubringen. Im Lager Zeilsheim gab es eine Schule, einen Kindergarten, eine eigene Polizei, Säuglingsstation, eine jüdische Zeitung mit dem Titel "Unterwegs- The Transsient, Organ of the Liberated Jews of Frankfurt a. M.-Zeilsheim" und ein Palästina-Amt. Dort wurden DPs für die Auswanderung nach Palästina angeworben. Als im Oktober 1948 Palästina auf Betreiben der Vereinten Nationen geteilt wurde, begann die große Übersiedlung der jüdischen Familien nach Israel. 1949 konnten die Zeilsheimer wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Noch bis in die 50er Jahre beherbergte das Lager deutsche Vertriebene aus den Ostgebieten.